HINFÜHRUNG ZUM ORDENSLEBEN
Ein Interview mit P. Dionys Lindenmaier (Ndanda)Eine der Hauptaufgaben der Benediktinermission ist die Einführung des Ordenslebens an ihren Wirkungsstätten. Die ersten Klöster Afrikas gehen auf diesen Auftrag zurück. Ein Angelpunkt ist hier der Novizenmeister oder Magister. Er muss die Kandidaten in das Klosterleben einführen. P. Dionys Lindenmaier versieht dieses Amt seit 12 Jahren an der tanzanianischen Abtei Ndanda.
Die Abtei Ndanda in Tanzania REDAKTION: Vor 30 Jahren hat dich die Erzabtei nach Tanzania ausgesandt. Heute bist du als Novizenmeister zuständig für den Nachwuchs der Abtei Ndanda. Was waren deine Stationen bis zum jetzigen Aufgabenbereich?
P. DIONYSIUS: Nach der Ankunft in Tanzania erhielt ich zunächst einmal eine Einführung in Kultur und Sprache. Bald schon übernahm ich erste Pfarreien. Insgesamt betreute ich nach und nach vier Pfarreien. Die fünfte war Ndanda selbst, wo ich dann gleichzeitig im Haus als Subprior tätig war. Im Jahre 1987 begann Ndanda, afrikanische Kandidaten aufzunehmen. Zur Ausbildergruppe stieß ich 1989 dazu.
REDAKTION: Warum entschloss sich die Abtei damals, afrikanische Kandidaten in die Gemeinschaft aufzunehmen?
P. DIONYS: Es ging um unsere Zukunft. Wir haben umfangreiche Aufgaben, Lehrlingsausbildung, Exerzitienhaus, Katechetenkurse, Verlag, Beteiligung an den Krankenpflege und ähnliches. Als der europäische Nachwuchs zusammenbrach, überlegten wir uns zunächst, alles an die Diözese zu übergeben. Da unsere Konstitutionen aber die Einpflanzung des Ordenslebens in Missionsländern nahelegt, haben wir uns dazu entschlossen, junge Afrikaner aufzunehmen.
Swinging brass: die Postulantenblaskapelle unter Br. Felix (zweiter von links). Die Postulanten haben sich das Spielen selbst beigebracht. REDAKTION: Gibt es bei dieser Einpflanzung des Ordenslebens in Afrika Besonderheiten? Gestalten afrikanische Benediktiner ihr Klosterleben vielleicht anders als die europäischen Mitbrüder?
P. DIONYS: Nach meinem Eindruck suchen afrikanische Mönche vor allem Gemeinschaft. Kloster als Leben in Gemeinschaft ist dem afrikanischen Denken sehr angemessen, da sich das Leben dort ja vor allem im Rahmen der Familie, der Sippe abspielt. Viele kommen auch, um Priester zu werden. Denn dass man im Orden auch Laienbruder sein kann, ist noch nicht so bekannt. In ihren Pfarreien haben sie gesehen, dass der Priester alleine und auf sich gestellt ist und meinen, dass sie das Priestertum in einer Gemeinschaft besser leben können. Auch der einfache Rhytmus von Gebet und Arbeit passt sich gut in die afrikanische Kultur ein. Einen besonderen Beitrag leisten wir vielleicht auch, wenn wir der Arbeit einen geistlichen Sinn geben.
REDAKTION: Wie sieht denn Eure Nachwuchslage aus?
P. DIONYS: Insgesamt haben wir inzwischen 19 junge afrikanische Mitbrüder, die Gelübde abgelegt haben. Zur Zeit habe ich so 30 bis 40 Anfragen auf dem Schreibtisch liegen. Dabei mache ich es so: Wenn einer noch nicht die Mittlere Reife hat, empfehle ich ihm, die erst abzuschließen. Bei Leuten mit Mittlerer Reife sage ich, dass sie möglichst Abitur machen sollen. Wir haben auch in unsere Gewerbeschule eine ganze Reihe von Kandidaten aufgenommen, die schon die Mittlere Reife haben. Im Laufe der Jahre scheiden natürlich viele auch wieder aus. In unserem ersten Noviziat 1989 waren vier Novizen, von denen zwei die Zeitlichen Gelübde abgelegt haben. Von diesen zwei wiederum hat nur einer, Br. Johannes, 1997 die Ewige Profess abgelegt. Andere Kurse haben dagegen wieder komplett durchgehalten. Der nächste Kurs mit zehn Postulanten ist der größte, den ich bisher zu betreuen hatte. Manchmal denke ich mir, es wäre besser, wenn die jungen Leute nach der Gesellenprüfung oder dem Abitur noch einige Jahre arbeiten würden, um Reife zu gewinnen. Aber auch die afrikanischen Mitbrüder hier meinen, dass der Nachwuchs in der Gemeinschaft selbst seinen Reifungsprozess durchführen sollte.
Feierliche Profess der Brüder Tuzinde und Julian. Links Abt Siegfried. REDAKTION: Wenn du junge Menschen in das Klosterleben einführst, so hat das was mit Persönlichkeitsformung zu tun. Was möchtest du den jungen Mönchen besonders mit auf den Weg geben?
P. DIONYS: Beim Gemeinschaftsleben ist für mich sehr wichtig, dass man über alles spricht. So spreche ich mit ihnen über alle Arbeiten und Aufgaben, die sie verrichten müssen, und lege Wert darauf, dass sie auch untereinander reden. Zum Beispiel kam vor kurzem der älteste Novize zu mir und klagte, dass die Putzarbeiten, die wegen der Hitze immer morgens gemacht werden, schlecht ausgeführt werden. Ich antwortete ihm: "Gut, dass du mir das sagst. Reden wir darüber". Dann redete ich erst mit den Novizen, und wir einigten uns darauf, dass die Arbeit in Zukunft gewissenhafter auszuführen ist. Dann gingen wir zu den Postulanten und diskutierten nochmals darüber. Die Postulanten nahmen sich daraufhin auch vor, ihre Arbeit sorgfältiger zu verrichten. Ich habe auch dem Prior nahegelegt, vor Änderungen in der Liturgie oder der Hausordnung die jungen Mitbrüder zu fragen. Das heißt nicht unbedingt, dass dann auch gemacht wird, was sie wollen. Aber sie können sich äußern und werden gehört. Neben dem mitbrüderlichen Austausch geht es mir auch etwas um Psychologie, obwohl dieses Wort vielleicht zu groß ist: man sollte sich selber erkennen, sein Verhalten ändern und Charaktere beurteilen können.
Bruder Julian und P. Dionys REDAKTION: Im afrikanischen Raum ist das Familienleben sehr wichtig, während das Zölibat kaum eine Tradition hat. Wie führst du denn die Klosterkandidaten an dieses Thema heran?
P. DIONYS: Es ist wichtig, dass die jungen Leute sexuell aufgeklärt sind, damit sie überhaupt wissen, was mit ihrem Körper vor sich geht. Wir haben dann auch Seminare, wo über Freundschaft mit dem anderen Geschlecht gesprochen wird und in Rollenspielen typische männliche und weibliche Verhaltensweisen bewusst erfasst werden. Es kam dann auch schon vor, dass junge Leute im Noviziat klar erkannt haben, dass es für sie besser ist, wenn sie heiraten. Wichtig ist vor allem, dass sie Freude an ihrer Berufung und ihrer Arbeit haben, damit gar nicht erst das Bedürfnis aufkommt, nach außen zu drängen.
REDAKTION: Eure deutschstämmige Gemeinschaft durchmischt sich jetzt zunehmend mit Tanzanianern. Wie macht sich das im Alltag bemerkbar?
P. DIONYS: Die Umgewöhnung war für beide Seiten nicht leicht. Nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil hatten wir uns beim Stundengebet auf Deutsch umgestellt. Inzwischen mussten wir daran gehen, das Brevier in Swahili einzuführen. Auch bei Tischgesprächen mussten wir uns daran gewöhnen, dass jetzt tanzanianische Mitbrüder mit am Tisch sitzen und uns auf Swahili umstellen. Ansonsten ist der afrikanische Anteil noch nicht so spürbar. Bemerkbar wird er vor allem in der Messe, wo jetzt tanzanianische Gesänge zunehmend eingeführt werden, und bei Festen, wo dann die afrikanischen Mitbrüder Einlagen mit Trommeln oder ihre Art zu feiern einbringen. Natürlich bleibt vieles an Andersartigkeit, was sich nicht auflösen lässt und was beide Seiten einfach ertragen müssen.
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