Gottes Liebe zu den Menschen bringen

VON P. MATTHIAS WETZEL (EL DORET / ST. OTTILIEN)

Es gibt Menschen, die in überzeugender Weise Glaubensfreude ausstrahlen. Zu ihnen gehört P. Matthias Wetzel OSB, der aus dem oberschwäbischen Raum stammt, aber bereits seit über 30 Jahren auf abgelegenen ostafrikanischen Missionsposten wirkt.

Meine Aussendung in den Süden Tanzanias verschlug mich im Jahre 1968 auf steinigen Boden. Das Gebiet dort ist islamisch geprägt und wenig offen für das Christentum. Meine erste Pfarrei und auch die folgenden lagen dort, wo es kaum Straßen gab und der Busch beginnt. Die Leute im dortigen Gebiet, die Wamakonde, Wamwera und Wamakua gehören zu den Bantustämmen. Zu den
Beim Unterricht im Kindergarten meiner Hauptstation. Den Kindergarten habe ich letztes Jahr gebaut.
verschiedenen Pfarreien, die dort mühsam aufgebaut werden müssen, gehören viele oft weit verstreute Außenposten, die teilweise über 30 km von der Hauptstation mit der Wohnung des Priesters entfernt liegen. Eines meiner ersten Pfarreigebiete hatte über 30 Außenposten, auf denen insgesamt nur 1000-2000 Christen verstreut unter 100.000 Moslems wohnten.

Am aufgeschlossensten für das Christentum erwies sich in der Anfangszeit meines Missionsleben der Makondestamm von Mozambique. Die Wamakonde waren Flüchtlinge aus dem Norden von Mozambique, wo ein blutiger Befreiungskrieg gegen die portugiesischen Kolonialherren tobte. Ungefähr 3000 Mamakonde konnte ich in wenigen Jahren für das Christentum begeistern und taufen. Die christliche Einstellung dieser Leute zeigte sich schön in ihrer Schnitzkunst, für welche dieser Stamm berühmt ist. Die christlich gewordenen Bildschnitzer stellten eindrucksvolle Kreuze und Figuren her. Als die Portugiesen sich aus Mozambique zurückzogen, konnten die Flüchtlinge wieder in ihre Heimat zurück. Gerne wäre ich mit ihnen gezogen. Doch das
Hochzeit: letzte Ermahnungen
scheiterte am religionsfeindlichen Kurs der Regierung Machel, die ihr marxistisches Programm zu verwirklichen glaubte, indem sie Kirchen in Lagerhallen umwandelte. Eine Einreiseerlaubnis wurde mir nicht erteilt.

Daraufhin meldete ich mich für Neumission in der Diözese Mbulu, die im Norden Tanzanias am Rande der Serengeti-Steppe liegt. Dort wohnt der Stamm der Wabarbaig, der meist nomadisch lebt, und der Stamm der Wairaq, welcher bereits sesshaft ist und von Ackerbau und Viehzucht lebt. Von diesem Stamm konnte ich in wenigen Jahren ungefähr 15.000 für das Christentum gewinnen und mehrere Pfarreien mit vielen Außenposten aufbauen.

Vor fünf Jahren meldete ich mich schließlich zur Neumission in der Diözese Eldoret, die im Westen Kenias an den Victoriasee angrenzt. Die Menschen des dortigen Ndandistamms sind hochgewachsen und schlank. Im Vergleich zu den Bantustämmen sind sie freilich weniger am Christentum interessiert.

Mission heißt für mich immer, den Menschen zu helfen, damit sie ihre Menschlichkeit ganzheitlich nach dem Willen Gottes enfalten können. Daher beginnt Mission mit einer persönlichen Begegnung zwischen Missionar und
KENIAS STÄMME

Unter den ungefähr 40 kenianischen Stämmen gehören über 60% zu den Bantustämmen (v.a. Kikuyu, Luhya, Kamba) und um 24% zu den nilotischen Stämmen (Luo und Kalenjin). Die Niloten drangen aus dem Norden in den ostafrikanischen Raum ein, um mit ihren Viehherden die weiten Savannen zu beweiden. Im Unterschied zu den nilotischen Nomaden sind die Bantus meist sesshafte Ackerbauern, die vorzugsweise die Berghänge besiedelten. Ihren Namen zogen sie aus dem Umstand, dass sich das Wort »Mensch« (Bantu) in ihren Sprachen ähnelt. Unter den rund 30 Sprachen Kenias, die sich wiederum in zahlreiche Dialekte untergliedern, wurde Swahili, eine Bantusprache der Küstenregion, zur Nationalsprache erhoben, auch wenn Englisch weiterhin als Handelssprache bedeutsam bleibt. Religiös gehört die Mehrheit der Bevölkerung Naturreligionen an (um 60%), 26% sind Katholiken, 7% Protestanten und 6% Muslime.

den Leuten. Diese müssen spüren, dass ich sie gerne habe, es gut mit ihnen meine und mich um sie kümmere. Denn die Menschen werden nicht durch Gelehrsamkeit angezogen. Die Menschen in ihrer Ganzheit zu fördern, bedeutet für mich das Leibliche mit dem Geistigen und Seelischen zu verbinden und zum Wachstum zu bringen. So baue ich beispielsweise für entlegene Dörfer auch Brücken und Wege, lege Wasserleitungen und helfe, wo es nur geht.

Zu meiner Missionsmethode gehört, dass ich versuche, in die Schulen hineinzukommen. So habe ich Religionsunterricht von der 3. bis zur 8. Klasse gegeben und dabei auch Messen in den Schulen gelesen. Dabei waren Trommeln und Tanz wichtige Elemente. Das zieht die Kinder an. In manchen dieser Schulen wurden die meisten Kinder Christen, während der Rest islamisch war. Wenn ich nicht dort missioniert hätte, wären heute alle Moslems geworden. Unter meinen Schulen gibt es auch solche, wo unter vielleicht 800 Kindern gerade 10 Katholiken sind. Der Rest gehört zum Islam oder verschiedenen Sekten. Da kann ich nichts mehr machen. Ich kann eigentlich nur dort wirken, wo Menschen sind, die noch Stammesreligionen angehören. Denn die Stammesreligionen haben heute kaum mehr Anziehungskraft und werden allgemein aufgegeben. Leider ist die Entwicklung so, dass die Aufgabe der Stammesreligion vielfach in einer oberflächlichen Konsumhaltung mündet, ähnlich wie in Europa.

Ein weiter wichtiger Schritt ist, möglichst bald Kirchen zu errichten. Denn nach meiner Erfahrung kann man die Leute nicht auf Dauer unter einem Baum beten lassen, auch wenn ich normalerweise so anfange. So versammle ich zuerst die Leute unter einem Baum, später werden einige Pfähle aufgestellt, über die eine Plane gespannt wird. Sobald Christen da sind, bewege ich sie zum Bau eines Kirchleins. Die Fundamente werden mit Lehm gelegt, also gewöhnliche Erde mit Wasser vermischt und gestampft. Danach müssen die Christen Ziegelsteine brennen. Auf diese Ziegelsteine wird dann ein Blechdach draufgelegt. Diese Kirchen habe ich in Eigenregie, so gut es eben ging, bauen lassen. Meistens sind sie 10 m breit und 15 bis 20 m lang, je nach der Größe des Außenpostens und des vorhandenen Geldes.
 
 
 
 
 
 
 

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